Das Fussballnati-Tagebuch des Physiotherapeuten...

Nati-bericht

Die Kurzlebigkeit des Sports macht auch vor unserer Homepage nicht Halt. Höchste Zeit also für einen kurzen Lagebericht aus dem Lager unserer Nati:
Die WM-Kampagne ist in vollem Gange, und wer zu Beginn behauptet hätte, wir stünden nach der Hälfte der Spiele nach Verlustpunkten mit an der Spitze, wäre wohl als Träumer verschrieen worden. Höhepunkt auch aus meiner Sicht, war sicher das grossartige Spiel unserer Jungs vor 79'000 begeisterten Zuschauern im Stade de France. Die 10'000 mitgereisten Schweizer Fans sangen lauthals und rot gekleidet die Hymne: Hühnerhaut und etwas feuchte Augen waren da nicht zu verbergen.
Der 10 Tage dauernde Zusammenzug war wie erwartet für uns Physios recht anstrengend. Ich war sehr viel mit Raphael Wicky beschäftigt: zweimal täglich Therapie, Spezialtrainings und vorallem auch eine gewisse mentale Unterstützung nahmen auch mich stark in Anspruch. Leider konnte er letztlich nicht eingesetzt werden. Die Zusammenarbeit mit seinen Verantwortlichen beim HSV war ausgezeichnet, so dass wir uns schliesslich entschlossen haben, ihn nicht auflaufen zu lassen - schade.
Die Stimmung in dieser Mannschaft ist wirklich toll. Es wird viel gelacht und trotzdem sehr konzentriert und motiviert gearbeitet.
Schwierige Situationen wie zum Beispiel die momentane Lage bei Hakan Yakin übertragen sich glücklicherweise nicht auf die Dynamik der Mannschaft.
Ich habe mich diesmal wieder bemüht, zusammen mit meinen Compi-Technikern Stefan Schnider und Toni Gloor im Hintergrund, wieder ein paar Motivationsposter zu kreieren: Team Spirit und Fighting Spirit unterstützen die Mannschaft bildlich.
Das knorzige Hardturm-Spiel gegen Zypern war so nervenaufreibend, dass ich nach dem Schlusspfiff am liebsten ein Auslaufen gemacht hätte... Es war äusserst schwierig, auf dem ungenügend gemähten Rasen ein konstruktives Spiel aufzuziehen, weshalb gerade Spieler wie Johann Vogel die Bälle plötzlich hoch zu spielen begannen. Vogel in der Pause: "die Bälle verhungern, ich muss dich hoch anspielen Alex."
Das herrliche, erlösende Tor von Alex, der wirklich nie motiviert werden muss, hat uns alle von der Bank gerissen. Assistenztrainer Michel Pont und ich haben noch in der 80. Minute gemeint: ça va venir! Und es ist so gekommen. Solche Spiele 1:0 zu gewinnen, ist vielleicht auch eine Qualität, die diese Mannschaft weiterbringen wird. Ich bin zuversichtlich.
Das Spiel auf den Färöern im Juni wird nicht minder schwierig werden, da das mir schon bekannte Terrain inmitten von Schafen nicht leicht zu bespielen sein wird. Ich werde das Spiel von zu Hause aus verfolgen, da ich erst wieder im August für die restlichen Spiele im Herbst im Einsatz stehe. Meine Kollegen Stefan Meyer und Daniel Griesser werden die Mannschaft tatkräftig unterstützen. Bis bald...


19. August 2004: Motivierte Spieler und ein kritisches Publikum

Der erste Zusammenzug des Nationalteams nach der EM war eine positive Sache. Die herzliche Begrüssung der Spieler beim Eintreffen in Zürich-Feusisberg zeugt von der guten Stimmung, die in der Mannschaft herrscht. Daniel Griesser und ich kümmerten uns Daniel Gygax, der sich im letzten Meisterschaftsspiel das Sprungelenk verdreht hatte und schliesslich gegen Nordirland auch nicht spielen konnte – trotz intensiver Pflege und Lymphdrainage. Am Montag gabs für uns Physios viel zu tun, und auch der Dienstag war intensiv. Gefreut habe ich mich, dass Murat Yakin tagsüber aus eigenem Antrieb zu mir kam und mich bat, mit ihm joggen zu gehen. Das zeigt, dass das Vertrauen in den Medical Staff vorhanden ist. Vom Spiel gegen Nordirland (0:0) konnte ich nur die erste Hälfte mitverfolgen. Danach kümmerte ich mich um die ausgewechselten Spieler, insbesondere auch um Johan Vonlanthen, der eine kräftige «Tomate» einstecken musste. Ihm haben wir nach der Kühlung einen Druckverband angelegt, um zu verhindern, dass er sich eine Zerrung holt. Auch für die Spieler war dieser Zusammenzug okay – sie haben sich ganz offensichtlich darauf gefreut und ärgerten sich schliesslich nur darüber, dass ihnen kein Tor gelungen ist. Sie wissen halt, was medienmässig auf sie zukommt. Auch haben Sie mit Enttäuschung registriert, wie schnell das spärliche erschienene Publikum bei Fehlern mit Pfiffen reagierte. In den Qualifikationsspielen gegen die Färöer und Irland am 4. und 8. September in Basel wird das hoffentlich anders sein...

9. August 2004: Das neue Team nimmt Formen an

Nachdem sich die Euro-Wogen endlich geglättet haben und die Geschichte um Alex Frei auch für die Medien nicht mehr das Thema Nummer 1 ist, beschäftige ich mich bereits wieder mit der neuen Qualifikation. Am 18. August findet unser erstes Spiel als Vorbereitung zur WM-Qualifikation 2006 statt. Ich hatte zwischenzeitlich nur mit Zubi, Muri, Beni und Marco im Rahmen des Uhrencups in Grenchen kurzen Kontakt. Es war jedoch schön, die vier kurz nach dem Spiel gegen Schalke zu sehen. Das Aufgebot für das nächste Spiel habe ich bereits erhalten. Natürlich frage auch ich mich, wie das neue Kader aussehen wird: Vier Spieler haben Ihren Rücktitt erklärt, und zu Beginn müssen wir ohne Alex und Marco auskommen. Das Vorbereitungsspiel wird in Zürich gegen Nordirland ausgetragen und soll die Spieler auf die beiden Nordeuropäer (Färöer und Irland ) einstimmen.

In der Zwischenzeit verfolge ich natürlich die Einsätze der Spieler in Ihren Clubs und hoffe dabei auch, dass Hakan endlich seine Spielpraxis erhält. Im Moment scheint es wieder nichts zu werden. Es freut mich jedoch zu sehen, dass Alex weiterhin trifft.

Am Sonntagabend treffen wir uns wieder in Feusisberg - hoffentlich mit viel positiver Energie!

 


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